Ratgeber · KI-Sichtbarkeit

Ein Anbieter wollte uns für 40 Franken KI-sichtbar machen. Wir haben nachgeschaut.

Rund um ChatGPT, Gemini und Claude ist ein neuer Markt entstanden — und mit ihm eine Welle von Anbietern, die man nicht anrufen kann. Hier steht, was wir bei der Prüfung eines solchen Angebots gefunden haben, und wie Sie jeden Anbieter in drei Minuten selbst einordnen.

Von Tobias Scholz · Helio Studio, Aadorf · 14. Juli 2026 · Lesezeit 5 Minuten

Die E-Mail

An einem Dienstagmorgen lag sie im Postfach. Freundlich, kurz, mit Vornamen unterschrieben. Sinngemäss stand darin:

Guten Tag, mein Name ist [Vorname]. Bei [anbieter].ch arbeite ich mit Unternehmen in der Schweiz. Wir helfen Unternehmen dabei, von KI-Assistenten wie ChatGPT, Claude und Gemini klarer verstanden und bei passenden Suchanfragen besser berücksichtigt zu werden. Für Ihre Website beginnt die Optimierung der KI-Sichtbarkeit bei 39.90 Fr.

Schweizer Domain. Schweizer Preise. Schweizer Ansprache. Ein Angebot, das man für den Preis eines Mittagessens einfach mal ausprobiert — genau so ist es gebaut.

Wir haben es uns angeschaut. Nicht aus Misstrauen, sondern aus Berufsinteresse: Helio Studio bietet KI-Sichtbarkeit selbst an. Was wir gefunden haben, steht unten. Den Anbieter nennen wir nicht beim Namen — es geht hier nicht um eine einzelne Firma, sondern um ein Muster, das Ihnen in den nächsten Monaten noch oft begegnen wird.

Was die Prüfung ergab

Fünf Funde in zwanzig Minuten.

Die Website sah teuer aus. Professionelles Design, überzeugende Texte, sechs KI-Systeme im Angebot. Der Rest hielt der Prüfung nicht stand.

Fund 1

Kein Impressum. Nirgends.

Keine Firma, keine Adresse, keine Telefonnummer. Im Bereich „Über uns“ stand statt Namen nur eine Reihe von Initialen. Ein Unternehmen, das in der Schweiz gegen Bezahlung eine Dienstleistung anbietet, muss sich zu erkennen geben. Dieses tat es nicht.

Fund 2

Eine Briefkastenfirma im Kleingedruckten.

Ganz unten in den AGB stand dann doch eine Adresse — ein Postfach in einem US-Bundesstaat, unter dessen Hausnummer zehntausende Firmen registriert sind. Mit der Schweiz hatte der Anbieter nichts zu tun ausser der Domain-Endung.

Fund 3

Zahlen ohne jede Quelle.

„92 % Verbesserung“, „73 % der Käufer fragen zuerst die KI“. Keine Studie, kein Datum, keine Fallstudie, kein einziger Kunde, der mit Namen dafür einsteht. Die eine Fussnote, die es gab, definierte den Erfolg zirkulär: gemessen an dem, was der Anbieter selbst misst.

Fund 4

„Einmalig“ vorne, Abo hinten.

Die Preisseite warb gross mit einem einmaligen Festpreis und „keinen überraschenden Zusatzkosten“. In den AGB stand eine Klausel über einen fortlaufenden Dienst, der nach der ersten Zahlung monatlich automatisch abgebucht wird. Die 40 Franken waren der Einstiegspreis.

Fund 5

Gerichtsstand: irgendwo.

Als anwendbares Recht nannten die AGB wörtlich „das Recht von United States“ — nicht einmal ein Bundesstaat. Ein automatisch erzeugter Textbaustein mit unausgefülltem Platzhalter. Bei einem Streitwert von 40 Franken heisst das im Klartext: Sie haben keine Handhabe.

Die Pointe

Nach der eigenen Logik unempfehlbar.

Das ganze Verkaufsargument dieser Firma lautet: Künstliche Intelligenz empfiehlt nur, wen sie versteht und wem sie vertraut. Sie selbst ist anonym, ohne Impressum, ohne Namen und ohne einen einzigen belegten Kunden. Nach ihrer eigenen Logik dürfte KI sie nie empfehlen.

Die Prüfung

Drei Minuten, die Sie vor so etwas schützen.

Sie brauchen dafür kein technisches Wissen. Nur einen Browser und ein bisschen Hartnäckigkeit beim Scrollen.

  1. 1

    Suchen Sie das Impressum.

    Scrollen Sie ganz nach unten. Dort gehört ein Link namens „Impressum“ hin, und dahinter gehören Firma, Rechtsform, Adresse und eine Telefonnummer. Finden Sie das nicht, ist das Gespräch an dieser Stelle beendet. Ein seriöses Unternehmen versteckt sich nicht — es will ja, dass Sie anrufen.

  2. 2

    Lesen Sie die AGB bis zum Ende.

    Niemand tut das, und genau darauf wird gebaut. Firmenname und Sitz stehen dort, wenn sie überhaupt irgendwo stehen — oft in einem unscheinbaren Kasten. Achten Sie zusätzlich auf Wörter wie „wiederkehrend“, „Verlängerung“ oder „monatlich“. Dort verstecken sich Abos, die vorne als Einmalpreis beworben werden.

  3. 3

    Suchen Sie den Gerichtsstand.

    Drücken Sie in den AGB Strg+F (auf dem Mac: Cmd+F) und suchen Sie nach „Recht“ oder „Gerichtsstand“. Steht dort nicht die Schweiz, sind Sie im Streitfall auf sich allein gestellt. Eine Forderung über 40 Franken in einem anderen Land durchzusetzen, ist reine Theorie.

Zwei Zusatzprüfungen, wenn Sie es genauer wissen wollen

  • Gibt es echte Menschen? Namen, Gesichter, LinkedIn-Profile. Initialen und Städtekürzel sind keine Menschen.
  • Gibt es echte Kunden? Ein Anbieter, der niemanden nennen darf, hat entweder keine Kunden oder keine zufriedenen. Fragen Sie nach einer Referenz, die Sie anrufen dürfen.

Damit kein falscher Eindruck entsteht

Das Thema ist echt. Nur das Angebot war es nicht.

Es wäre der falsche Schluss, KI-Sichtbarkeit nun für Unsinn zu halten. Die Verschiebung findet wirklich statt — und genau deshalb sind gerade so viele Trittbrettfahrer unterwegs.

Was tatsächlich passiert

Immer mehr Menschen stellen ihre erste Frage einem Assistenten statt einer Suchmaschine. Wer dort nicht vorkommt, kommt für den Auftrag gar nicht erst in die engere Wahl. Das betrifft KMU genauso wie Konzerne.

Was seriös dagegen hilft

Eine Website, die klar sagt, wer Sie sind, was Sie anbieten und wo Sie sind. Saubere Struktur, strukturierte Daten, korrekte Firmenangaben, glaubwürdige Erwähnungen an anderen Orten im Netz. Handwerk, kein Zaubertrick.

Was niemand versprechen kann

Dass ChatGPT Ihre Firma ab nächster Woche namentlich empfiehlt. Die Modelle ändern sich laufend und ohne Vorankündigung. Man kann die Voraussetzungen schaffen — garantieren lässt sich das Ergebnis nicht. Wer etwas anderes behauptet, sagt die Unwahrheit.

Häufige Fragen

Was Kundinnen und Kunden uns dazu fragen.

Ist KI-Sichtbarkeit überhaupt ein echtes Thema oder nur Panikmache?
Das Thema ist echt. Immer mehr Menschen stellen ihre erste Frage einem KI-Assistenten statt einer Suchmaschine, und wer dort nicht auftaucht, wird gar nicht erst in Betracht gezogen. Echt ist aber nur das Thema — nicht jedes Angebot, das damit wirbt.
Woran erkenne ich einen unseriösen Anbieter?
Die drei schnellsten Prüfungen: Impressum vorhanden? AGB bis zum Schluss gelesen? Gerichtsstand Schweiz? Fällt eine dieser drei Prüfungen durch, lassen Sie die Finger davon.
Kann jemand garantieren, dass ChatGPT mein Unternehmen empfiehlt?
Nein. Niemand kann das garantieren, und wer es verspricht, sagt die Unwahrheit. Man kann die Voraussetzungen dafür schaffen, dass ein Unternehmen korrekt verstanden und als vertrauenswürdig eingestuft wird — mehr nicht. Seriöse Anbieter sagen das offen.
Was kostet seriöse Arbeit an der KI-Sichtbarkeit?
Deutlich mehr als 40 Franken. Wenn ein Mensch Ihre Website liest, Ihr Angebot versteht und Massnahmen umsetzt, sind das mehrere Stunden Arbeit. Ein Angebot, das persönliche Betreuung und eine geprüfte Roadmap für den Preis eines Mittagessens verspricht, rechnet schlicht nicht auf.
Ich habe bereits bezahlt. Was kann ich jetzt tun?
Prüfen Sie Ihre Kreditkartenabrechnung auf wiederkehrende Belastungen und widersprechen Sie einer ungewollten Abbuchung bei Ihrer Bank. Kündigen Sie eine allfällige Abo-Klausel schriftlich per E-Mail und bewahren Sie die Bestätigung auf. Sitzt der Anbieter im Ausland, ist der Weg über den Zahlungsdienstleister meist der einzige realistische.
Muss ich auf eine solche Werbe-E-Mail antworten?
Nein. Antworten Sie nicht und klicken Sie den Link nicht an — beides bestätigt dem Absender nur, dass Ihre Adresse aktiv gelesen wird. Als Spam markieren und löschen. Unaufgeforderte Werbe-E-Mails ohne bestehende Geschäftsbeziehung sind in der Schweiz ohnehin unzulässig.

Helio Studio

Wir sitzen in Aadorf. Mit Namen, Adresse und Telefonnummer.

Wenn Sie wissen möchten, wie KI-Assistenten heute über Ihr Unternehmen sprechen und was sich realistisch verbessern lässt: Wir schauen es mit Ihnen an — im Gespräch, nicht per Massen-E-Mail.

Tobias Scholz · Keiblenstrasse 5, 8356 Ettenhausen · 076 788 38 08